Mieke Kröger ist Deutsche Meisterin!

Sonntag 27. Juni 2010 von kati schulz

Noch so ein Tag – Mieke Kröger holt im Einzelzeitfahren den Titel bei den Deutschen Meisterschaften der Juniorinnen 2010 und übernimmt erneut die Führung in der Bundesliga-Gesamtwertung

Nach einigen geografischen Unwägbarkeiten legten der Fotograf und die Öffentlichkeitsarbeiterin heute morgen vor den Deutschen Zeitfahr-Meisterschaften der Juniorinnen ihr eigenes Zeitfahren hin, um noch rechtzeitig zum Warmfahrprogramm der Fahrerinnen des Teams SRM & Poison zu gelangen. (Trotz geschätzter 500 kg Zuladung in Form von Kameras gewann übrigens der Fotograf, aber das überrascht niemanden.) Besonders schade wäre es allerdings gewesen, dieses Warmfahren zu verpassen: Das Ruhrgebiet zeigte sich am Austragungsort Unna-Mühlhausen nämlich von seiner ländlich-rustikalen Seite, und die Rollen waren in einer Scheune aufgebaut.

Noch ein bisschen konzentrierter als sonst sind sie heute vor dem Rennen, die Mädchen. Während der letzten Handgriffe wird kaum gesprochen, alle bereiten sich in stiller Zielstrebigkeit auf das Rennen vor. Die Strecke haben sich die meisten von ihnen schon angesehen und sie wissen, was sie erwartet und worauf sie achten müssen. Die 16,7 Kilometer sind nicht gerade einfach: kurvig und hügelig. Der plötzliche Sommereinbruch macht es auch nicht leichter: Auch wenn die Temperaturen morgens um zehn, elf Uhr noch ganz erträglich sind, brennt die Sonne schon recht kräftig.

Als erste geht Rebecca Theisen für das Team SRM & Poison ins Rennen. Sie ist immer noch ein bisschen vom Krankheitspech verfolgt, aber kurze, intensive Strecken liegen ihr. Ein paar Minuten später folgt Vivien Schmidt. Zeitfahren gehört nicht zu ihren Lieblingsdisziplinen, aber sie ist topmotiviert und obendrein eine Kämpferin. Als nächste des Teams rollt Mieke Kröger von der Rampe. Mit einem dritten Platz bei den Straßenmeisterschaften vor einer Woche geht sie mit gesundem Selbstbewusstsein in den Wettkampf in ihrer Lieblingsdisziplin. Christina Koep hat es nach den Straßenmeisterschaften ein wenig erwischt, aber sie fühlt sich wieder fit und freut sich auf das Rennen. Jessika Eckhardt ist die letzte Fahrerin, die für das Team auf die Strecke geht. Für die Schülermeisterin des Jahres 2007 ist die Strecke fast schon zu kurz und flach. Leider war auch sie in letzter Zeit ein wenig angeschlagen.

Dann beginnt das Warten: Beim Zeitfahren muss man in der Regel die Entscheidung treffen, ob man die Fahrerinnen einmal an sich vorbei huschen sehen will (es sei denn, es gibt einen Wendepunkt), oder ob man im Ziel die Zeiten mitbekommen will. Beides kann an den Nerven zerren. In diesem Falle zerrt es auch an Miekes Nerven: Als sie mit der neuen Bestzeit ins Ziel kommt, startet die Mitfavoritin Sarah-Lena Hofmann gerade erst. Lisa Küllmer, mit der aktuell besten Zwischenzeit, ist noch unterwegs. Ganz zu schweigen von Fahrerinnen, die man vielleicht gar nicht auf der Rechnung hat …

Ungefähr 22 Minuten sitzt Mieke auf dem sogenannten heißen Stuhl – eigentlich eine Kutschbank, mit Heuballen dekoriert, auf denen die Trophäen aufgebahrt sind. „So einen Esel hätte ich gerne“ sagt sie – von einer Medaille ist erstmal keine Rede.

Und dann ist plötzlich Charlotte Bock im Ziel, die eine gute Zwischenzeit hatte, und nur noch Sarah-Lena auf der Strecke. Und die Uhr zählt die Minuten und Sekunden, die sie bereits unterwegs ist. Und plötzlich ist Miekes Zeit durch, und Sarah-Lena noch nicht im Ziel – und plötzlich ist es wahr, dass Mieke Deutsche Zeitfahrmeisterin ist.

„Ich dachte schon, als wir die Strecke im Training abgefahren sind, dass das was für mich sein könnte: Schön abwechslungsreich, nicht zu hügelig, nicht zu flach und der Berg eher am Anfang, was ganz praktisch ist bei meinem Gewicht von 70 kg“ sagt Mieke hinterher ganz locker. Dass man auf dem Podium ein Mikro ins Gesicht gestreckt bekommt, kennt sie ja mittlerweile schon. Dass sie den Sieg wirklich in der Tasche hat, hat sie aber bei aller guten Vorbereitung auch erst geglaubt, als „die ganzen Lisas und natürlich Sarah-Lena“ im Ziel waren. Denn das waren ganz klar ihre stärksten Konkurrentinnen. Der kleinen Bayerin hat Mieke nebenbei noch das gelbe Trikot der Führenden in der Bundesliga-Gesamtwertung wieder abgenommen. Eine Konkurrentin aus dem eigenen Team, Jessika, musste leider wegen gesundheitlicher Probleme früher aussteigen.

Die anderen lieferten allesamt ein tolles Rennen und erreichten trotz widriger Umstände im Vorfeld (und teilweise auch auf der Strecke) ihre gesteckten Ziele. Mieke ist endgültig für das Zeitfahren entflammt: Schon beim Geräusch eines Scheibenrads gerät sie ins Schwärmen. Aber irgendwann ist es auch genug mit dem Radfahren: Als sie gefragt wird, ob sie mit dem Vereinstrainer Markus Spiekermann nach Hause fahren wolle, antwortet sie aus voller Überzeugung und fast ein bisschen Empörung in der Stimme: „Mit dem Fahrrad?! Nein!“

Das komplette Ergebnis bei rad-net

Hier geht es zu den Fotos vom Rennen …

Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 27. Juni 2010 um 15:10 und abgelegt unter Fotogalerien, Rennberichte. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Ein Kommentar über “Mieke Kröger ist Deutsche Meisterin!”

  1. Leslie schrieb:

    … also ich bekomme beim Durchlesen schon wieder eine Gänsehaut.
    Ich muss euch allen mal ein riesen Kompliment aussprechen!
    Ihr macht das wirklich großartig, jeder in seinem Bereich, alle die hinter den Kulissen die Fäden ziehen, oder sei es unser sportlicher Fotograf der für die tollen Bilder keinen Weg scheut und ihn in Windeseile bewältigt, unsere begeisterte Autorin der Texte welche schon am Streckenrand mit vollem Einsatz, atemringend geschrieben werden. Oder die Eltern, die bis in jede Haarspitze mitfiebern, unserem Peter(-chen), der einfach alles immer durchdenkt und mit einer Ruhe den Weg vorbereitet und natürlich unsere Mädels, die einfach großartig sind, immer für einen Scherz zu haben und in den richtigen Situationen, die angebrachte Professionalität ausstrahlen und natürlich zu letzt noch unserer Siegerin, Mieke, der man den Sieg von Herzen gönnt!

    Ich bin einfach stolz auf die gesamte Truppe!

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